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Von der Gas-/Ölheizung zum klimaneutralen Eigenheim in 5½ einfachen Schritten

Aktualisiert: 10. Mai 2022

Christian Wengert


Die Klimakrise macht es nötig, der Krieg in der Ukraine macht es uns bewusst: unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern muss schnellstmöglich ein Ende finden.


Mich erreichten in den vergangenen Tagen viele gleichlautende Rufe von Freunden und Familie: Wie kommen wir nur raus aus unserer Ölheizung? Wie schaffen wir unseren Gaskessel ab? Ich werde dieses Vorhaben für Eigenheimbesitzer:innen hier in 5½ einfache Schritte darlegen.


Disclaimer: Dies ersetzt keine individuelle Energieberatung durch eine:n Fachplaner:in, sondern ist ein erster Leitfaden, um dich auf das Gespräch mit den Expert:innen vorzubereiten.


1. Das Energiekonzept


Die gute Nachricht: Es wird super einfach! Deine zukünftige Heizung wird aus einer Wärmepumpe und – um den Wärmepumpenstrom gleich selbst zu erzeugen – aus einer Photovoltaikanlage bestehen. That’s it. Komplizierter wird es nicht. Und das Beste daran: Eine Wärmepumpe ist nicht teurer als ein neuer Gaskessel.


Wärmepumpen werden bis 2050 alle Öl- und Gasheizungen ersetzen. Ausgenommen sind seltene Umstände wie zum Beispiel einige denkmalgeschützte Häuser. Bilanzielles Biogas oder Holzheizungen sind nicht massentauglich und werden zudem zu teuer sein, da beides nicht ausreichend vorhanden ist und auch nicht sein wird, um damit Häuser zu heizen.


Mache es jetzt richtig, und denke neben der Heizenergie die Versorgung mit grünem Strom und die Einbindung von Elektromobilität gleich mit.


2. Die Wärmepumpe


Wärmepumpen sind simple und bewährte Technik und kleine Wundermaschinen. Unter Nutzung von elektrischer Betriebsenergie pumpen sie Umgebungswärme in dein Zuhause, um es warm zu halten.


Dabei können sie diese Umgebungswärme aus der Luft, aus dem Erdreich oder aus dem Grundwasser gewinnen. Dort wo größere Grundstücke zur Verfügung stehen und es der Untergrund zulässt, können Erdkollektoren vergraben oder Erdsonden gebohrt werden, um das Erdreich anzuzapfen. In manchen Fällen kann auch das Grundwasser über Brunnen verwendet werden.


In den allermeisten Fällen wird eine Luft-Wärmepumpe machbar sein. Die hierfür benötigten Wärmetauscher können im Garten aufgestellt werden. Oder es kann die Außenluft über Kanäle direkt in die Wärmepumpe im Heizraum geleitet werden.


Wärmepumpen sind mittlerweile so effizient, dass auch Bestandsgebäude mit ihnen beheizt werden können. Liegt die Vorlauftemperatur deiner Bestandsheizung unter 60°C sind Wärmepumpen mit höchster Wahrscheinlichkeit geeignet. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto besser allerdings der Wirkungsgrad. Heizt dein Heizungssystem derzeit noch bei Temperaturen über 60°C, müssen gegebenenfalls neue Heizkörper verbaut werden.


3. Die Photovoltaikanlage


Knallt die Dächer voll! Photovoltaikanlagen sind mittlerweile so günstig – trotz derzeitig durch die hohe Nachfrage gestiegener Modulpreise, dass sie schon lange nicht mehr nur auf Süddächern sinnvoll einzusetzen sind.


Ganz im Gegenteil: Ost- und Westanlagen vergleichmäßigen die Stromerzeugung über den Tag. So wird von der ersten Morgensonne bis zum Sonnenuntergang Strom erzeugt. Fassadenanlagen erzeugen im Winterhalbjahr begehrten Strom zur Mittagszeit. JEDE gut geplante Photovoltaikanlage ist dabei eine ökonomisch sinnvolle Investition. Ich nenne PV-Dachanlagen deshalb gerne no-regret-Maßnahmen.


Im Regelfall lohnt es sich die Anlage so groß wie möglich zu bauen, um nicht nur den Haushaltsstrom, sondern auch den Betriebsstrom für die Wärmepumpe und zukünftige E-Fahrzeuge erzeugen zu können. Photovoltaikanlagen sind wunderbar modular und können schrittweise gebaut werden, wenn die Investitionskosten für eine dachfüllende Anlage im Augenblick zu hoch sind.


Hier eine grobe Faustregel: Eine Solaranlage mit 5 kW brauchst du, um den Haushaltsstrom eines Durchschnittshaushalts zu erzeugen. Eine Anlage mit 10-15 kW liefert dir zudem auch genug Strom für Wärmepumpe und E-Fahrzeug. Für überschüssigen ins Netz eingespeisten Strom erhältst du nach wie vor eine Einspeisevergütung.


Batteriespeicher sind großartig und sicherlich eine Überlegung wert, um deinen Eigenverbrauchsanteil des Stroms vom Dach zu erhöhen. Eine PV-Anlage hält 25-35 Jahre. Falls du sparen willst, spare zunächst hier und rüste einen Batteriespeicher in ein paar Jahren nach.


4. Jetzt wird zusammengebaut


Dein Eigenheim wird elektrifiziert. Juhu! Deine Photovoltaikanlage, deine Wärmepumpe, deine Ladestation für das E-Fahrzeug und ggfs. die Batterie werden in Zukunft miteinander kommunizieren.

Für die Elektrifizierung werden höchstwahrscheinlich Umbaumaßnahmen am Verteilerkasten nötig. Dies solltest du beim Start der Maßnahmen mitdenken. Wenn du zum Beispiel mit der Photovoltaikanlage anfängst, bestelle beim Elektriker gleich einen Anschluss (Verteilerplatz inklusive Leitung zum Standort) für eine zukünftige Wärmepumpe, eine Ladestation und ggf. eine Batterie gleich mit. So geht es dann später schneller, wenn die Wärmepumpe oder Ladestation gebaut werden soll und du hast nur einmal Verlegearbeiten im Haus.


Der selbsterzeugte Sonnenstrom will bestmöglich im Haus verbraucht werden. Dafür müssen alle Komponenten miteinander kommunizieren können. Achte bei der Auswahl der Komponenten darauf, dass hierfür benötigte Schnittstellen vorhanden sind. Ggf. wird ein Energiemanager nachgerüstet, der zum Beispiel die Wärmepumpe so steuert, dass sie dann den Warmwasserspeicher füllt, wenn gerade die Sonne scheint.


Viele Wechselrichter (ein Bauteil der Photovoltaikanlage) haben diese Funktion schon inklusive und können direkt mit Wärmepumpen kommunizieren.


5. Expert:innenrat einholen


Der Teufel steckt wie immer im Detail. Die Auslegung deines individuellen Energiekonzepts übernehmen qualifizierte Expert:innen und Fachplaner:innen. Diese können dich auch über mögliche Förderprogramme oder vergünstigte Kredite beraten.


Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es derzeit lange Wartezeiten bei Expert:innen und Installateur:innen. Hier musst du gegebenenfalls etwas Geduld mitbringen. Denke insbesondere bei älteren Heizungsanlagen darüber nach rechtzeitig auf Expert:innen zuzugehen, um einem Ausfall im Winter und Hauruckmaßnahmen zuvorzukommen.


Das letzte was du tun solltest, ist dir aus Verzweiflung einen neuen Brenner installieren zu müssen, um dann weitere 10 Jahre an fossilen Energieträgern zu hängen.


5½. Zu guter Letzt


Auch klimaneutrale Energie ist ein knappes Gut. Deshalb gilt auch nach einer Elektrifizierung deines Zuhauses: Jede eingesparte Kilowattstunde Energie ist die beste.


Trotz eines Umstiegs auf eine Wärmepumpe, muss auf eine ausreichende Dämmung, gute Fenster und den vernünftigen Umgang mit Energie geachtet werden. Prinzipiell gilt: erst die Dämmung, dann die Energietechnik.


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1 comentario


christianwengert
christianwengert
03 jul 2022

Wie sind eure Erfahrungen mit Wärmepumpen im Bestand?

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